Aperitivo — warum Italiener den Abend anders anfangen
Zwischen sechs und acht passiert in Italien etwas, das sich schlecht übersetzen lässt. Der aperitivo ist kein Vorglühen, kein Feierabendbier und kein Abendessen. Er ist die Stunde dazwischen, und sie hat eigene Regeln.
Was ihn ausmacht
Man bestellt ein Getränk, dazu kommt Essen auf den Tisch, ohne dass man es bestellt hätte — Oliven, Chips, Focaccia, in Mailand manchmal ein ganzes Buffet. Bezahlt wird das Getränk. Das Essen gehört dazu.
Der Sinn ist nicht satt werden. Der Sinn ist, den Magen auf das Abendessen vorzubereiten, das erst um halb neun oder neun kommt. Deshalb ist der klassische Aperitif bitter: Bitterstoffe regen den Appetit an. Das ist keine Marketinggeschichte, sondern der Grund, warum die Kategorie so heißt.
Was bestellt wird
- Spritz — der Klassiker, in unzähligen regionalen Varianten
- Negroni — härter, für Leute, die Bitterkeit mögen
- Vermouth pur, auf Eis — die ruhigste Variante, in Turin zu Hause
- Crodino oder Sanbittèr — alkoholfrei und völlig selbstverständlich
Cin cin
Angestoßen wird mit cin cin. Der Ausdruck kommt nicht aus dem Italienischen, sondern ist über den Hafenhandel aus dem Chinesischen eingewandert und hat sich dort festgesetzt, weil er klingt wie zwei Gläser, die sich berühren. Man schaut sich dabei an. Wer auf sein Glas schaut, macht es falsch.
Die eigentliche Lektion
Der Aperitivo ist eine Verabredung ohne Verpflichtung. Man kommt, wenn man kommt, und geht, wenn man geht. Genau deshalb funktioniert er — es gibt nichts zu organisieren.
Aus derselben Ecke kommen unser Cin Cin T-Shirt und das Vintage Cocktail T-Shirt. Die ganze Reihe steht unter Azur Club.
