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La Dolce Vita — was der Ausdruck wirklich bedeutet

RevøraItalien · Kultur · La Dolce Vita · Riviera

Wörtlich heißt la dolce vita das süße Leben. Gemeint ist heute meist ein Bild: Vespa, Sonnenbrille, Espresso im Stehen, kein Termin. Der Ursprung des Ausdrucks ist deutlich sperriger.

Der Film

Federico Fellinis La Dolce Vita kam 1960 in die Kinos und war kein Loblied. Der Film erzählt von einem Journalisten, der sich durch römische Nächte treiben lässt und dabei immer leerer wird. Das süße Leben ist darin eine Diagnose, keine Empfehlung. Nebenbei hat der Film ein Wort in die Welt gesetzt, das seither jeder benutzt: Paparazzo, nach einer Nebenfigur.

Wie aus Kritik ein Lebensgefühl wurde

Der Begriff hat sich vom Film gelöst, weil die Bilder stärker waren als die Handlung. Was hängen blieb, war Rom im Sommer, die Via Veneto, das Gefühl, dass der Abend nicht enden muss. Sechzig Jahre später steht der Ausdruck für das Gegenteil dessen, was Fellini zeigen wollte — und das ist völlig in Ordnung, so funktionieren Wörter.

Was davon alltagstauglich ist

Das Brauchbare an der Idee ist nicht der Müßiggang, sondern die Reihenfolge. Erst das Essen, dann die Arbeit. Erst der Kaffee mit jemandem, dann die Liste. Der italienische Alltag ist nicht langsamer als der deutsche, er ist anders sortiert.

  • Der Espresso wird im Stehen getrunken, dauert zwei Minuten und ist trotzdem eine Pause.
  • Mittagessen ist eine Mahlzeit, kein Snack am Schreibtisch.
  • Am Abend geht man raus, auch ohne Anlass. Die passeggiata ist ein Spaziergang ohne Ziel.

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